a, b oder 0: test bestimmt blutgruppe in 30â sekunden


Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war das Überleben nach einer Bluttransfusion Glückssache. Während manchen Patienten das Blut eines anderen Menschen neues Leben schenkte, verklumpte der Stoff bei anderen in den Adern und sie starben. 1901 entdeckte der Wiener Arzt Karl Landsteiner schließlich den Grund des Problems – und mit ihm die Blutgruppen.

Auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen sitzen Eiweiße, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Während manche etwa das Eiweiß A besitzen, haben andere das Eiweiß B. Bei Dritten wiederum prangen die Eiweiße A und B auf der Oberfläche der Blutkörperchen, Vierte haben keine von beiden (Blutgruppe Null). Das Problem: Ist der Körper nicht an die Eiweiße auf den gespendeten roten Blutkörperchen gewöhnt, bekämpft das Immunsystem sie.

Mittlerweile kennen Forscher mehr als 35 verschiedene Gruppen solcher Eiweiße, die wichtigsten sind bis heute das AB0-System sowie der Rhesus-Faktor. Ihre Bestimmung haben Bluttransfusionen zu einer Therapie gemacht. In Zukunft könnten die Tests noch viel einfacher ablaufen – auch fernab von Laboren und innerhalb weniger Sekunden. Möglich macht das eine neue Methode, die Forscher um Hong Zhang von der Third Military Medical University in Chongqing in China entwickelt haben.

Kein Labor, keine teure Ausrüstung, kein Experte

Während Mediziner bei einfachen, herkömmlichen Tests zwischen zehn und 20 Minuten auf ein Ergebnis warten müssen, zeigt der neu entwickelte Papierstreifen die Blutgruppe innerhalb von nur 30 Sekunden an. Wie die anderen Tests macht er sich dabei das eigentlich Gefährliche zunutze: das Verklumpen des Bluts, wenn die Blutgruppen-Eiweiße bekämpft werden.

Zuständig für die Reaktion sind – im lebenden Menschen wie bei den Tests – Antikörper, die auf die verschiedenen Eiweiße auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen zugeschnitten sind. Ein Antikörper gegen das Eiweiß A beispielsweise kann gegen das Eiweiß B nichts ausrichten. Dieses Wissen kombinierten die Forscher mit einem Farbstoff – und einem Papierstreifen, auf dem sich ein Tropfen Blut ähnlich stark nach rechts und links ausbreitet wie Tinte auf Löschpapier.

So entstand der Test, hier erklärt am AB0-System.

1. Station Antikörper: Aufgetragen in der Mitte, trifft das Blut auf seinem Weg über den Teststreifen nach kurzem rechts und links auf einen Bereich mit festsitzenden Antikörpern. Während die Stoffe auf der linken Seite nur mit Blutkörperchen verklumpen, die das Eiweiß A tragen, sind die Antikörper auf der rechten Seite auf das Eiweiß B spezialisiert.

Wer sich den Teststreifen genau ansieht, könnte das Ergebnis bereits an dieser Stelle ablesen. Mit welchem Antikörper hat sich Blut verklumpt, mit welchem nicht? Geht es wie bei Bluttransfusionen um lebenswichtige Informationen, darf das Ergebnis jedoch keine Zweifel zulassen. Aus diesem Grund installierten die Forscher noch eine zweite Teststation, wie sie in der Fachzeitschrift “Science Translational Medicine” berichten.

2. Station Farbstoff: Hinter den Antikörpern erreicht das Blut auf seinem Weg den Teststreifen entlang den Farbstoff Bromkresolgrün. Haben die roten Blutkörperchen mit den Antikörpern reagiert und sich verklumpt, ist an dieser Stelle nur noch das flüssige Blutserum übrig. Trifft es auf das Bromkresolgrün, verfärbt es sich türkis. Hat das Blut hingegen die Antikörper unbeschadet überstanden, erreichen auch die roten Blutkörperchen den Farbstoff. Dann verfärbt er sich braun.

Auf diese Weise lässt sich schnell schlussfolgern, mit welchen Antikörpern das Blut reagiert hat – und welche Blutgruppe ein Mensch somit trägt: Während die Blutgruppe A (mit dem Eiweiß A) nur mit dem Antikörper A verklumpt, reagiert B (mit dem Eiweiß B) nur mit dem Antikörper B. Die Blutgruppe AB (mit beiden Eiweißen) wiederum reagiert mit beiden Antikörpern, null (keines der Eiweiße) mit keinem Antikörper.

Der Test beim Einsatz im Video:


Das Prinzip übertrugen die Forscher anschließend auch auf andere Blutgruppen-Systeme wie den Rhesus-Faktor – mit Erfolg: Bei ersten Versuchen mit 3550 menschlichen Brutproben lag die Trefferquote der Tests bei 99,9 Prozent. Nur bei sehr seltenen Blutgruppen versagte der Streifen bei einzelnen Proben.

Für diese groß angelegten Versuche entwickelten die Forscher ein System, bei dem Maschinen die Teststreifen automatisiert auswerteten. Das eröffne die Möglichkeit, mithilfe der Streifen große Mengen Blutproben schnell zu analysieren, schreiben die Forscher. Daneben bietet der Test aber vor allem eine Chance für Regionen und Situationen, in denen es an Zeit und Ressourcen mangelt – etwa weil Krieg herrscht, es an Infrastruktur fehlt, oder auch 30 Sekunden eigentlich zu viel Zeit sind.

Categories: gesundheit

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