krebsgefahr: eu-behã¶rde entlastetâ glyphosat


Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) stuft das Pestizid Glyphosat als nicht krebsgefährdend ein. Die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse erfüllten demnach nicht die Kriterien, um Glyphosat als krebserregend, mutagen oder fortpflanzungsgefährdend zu bewerten. Das geht aus einem neuen Gutachten der Echa hervor, das in Helsinki vorgestellt wurde.

Der Vorsitzende der Abteilung für Risikobewertung der Echa, Tim Bowmer, erklärte, die Unbedenklichkeit von Glyphosat für die menschliche Gesundheit ergebe sich aus human- und tiermedizinischen Studien. Unstrittig ist jedoch, dass Glyphosat massive negative Einflüsse auf die Artenvielfalt hat und bei Kontakt Augenschäden verursacht.

Bereits im vorigen Sommer hatte die EU-Kommission die Zulassung für den umstrittenen Unkrautvernichter um eineinhalb Jahre verlängert, weil sich die EU-Staaten nicht auf eine Entscheidung einigen konnten. In dieser Zeit sollte die Echa ihre Bewertung vorlegen. Dem ist die Behörde nun nachgekommen. Die EU-Kommission wird auf Basis der Analyse ihre Diskussionen mit den EU-Mitgliedsstaaten wieder aufnehmen.

Glyphosat ist ein chemischer Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln, der Unkraut vernichtet. Es ist weltweit das meistverkaufte Pestizid. In Deutschland wird es auf knapp 40 Prozent der Ackerfläche eingesetzt.

Der lange Streit

Der aktuellen Entscheidung ist ein langer Streit vorausgegangen, weil verschiedene Gremien das Mittel unterschiedlich bewerteten. Die Positionen im Überblick:

  • Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft. Das BfR arbeitet im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa).
  • Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), die zur WHO gehört, hatte das Mittel dagegen als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.
  • Eine andere WHO-Untersuchung der Arbeitsgruppe “Joint Meeting on Pesticide Residues” (JMPR) kam dagegen zu dem Schluss, dass Glyphosat für Verbraucher keine Gesundheitsgefahr darstellt.

Dass die einzelnen Gremien die Gefahren so unterschiedlich bewerten, liegt allerdings daran, dass sie sich mit verschiedenen Fragen beschäftigen. Der IARC geht es darum, ob eine Substanz generell Krebs beim Menschen auslösen kann. Es geht aber nicht darum, wie groß die Gefahr ist. So stuft die IARC etwa Wurst und Alkohol als sicher krebsgefährdend ein.

Dem JMPR hingegen geht es, ähnlich wie der Efsa, um praktische Fragen wie: Könnte über die Nahrung eine gefährlich hohe Menge des Unkrautvernichters Glyphosat aufgenommen werden?

Der Streit um die Risiken von Glyphosat hatte dazu geführt, dass sich die EU-Staaten nicht darüber einigen konnten, ob das Mittel weiter eingesetzt werden darf. In dem entscheidenden Gremium stimmten von den 28 Mitgliedsländern 19 für eine weitere Zulassung, sieben enthielten sich.

Frankreich und Malta waren dagegen. Deutschland gehörte in Brüssel zu denjenigen, die sich der Stimme enthielten, da die Frage in der Bundesregierung umstritten ist. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Agrarminister Christian Schmidt (CSU) für die Zulassungsverlängerung sind, lehnen Umweltministerin Barbara Hendricks sowie die anderen SPD-geführten Ministerien dies ab.

Sollte das Unkrautvernichtungsmittel vor Ende des Jahres erneut in der EU zugelassen werden, steht es den einzelnen Ländern dennoch frei, die Verwendung von Glyphosat im eigenen Staatsgebiet zu verbieten. Wie es mit der Zulassung für Glyphosat in Deutschland weitergehen könnte, hängt deshalb auch vom Ergebnis der anstehenden Bundestagswahl ab. Experten hatten jedoch vor einem Verbot gewarnt, da sonst andere Pestizide zum Einsatz kommen könnten, die bedenklicher seien als Glyphosat.

Categories: gesundheit

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